AKWpower ist billig ?

zitat aus der ZDF sendung Frontal21

Nebenkosten exklusive – Die Lüge vom
billigen Atomstrom
Sendung vom 29. Juli 2008
Von Steffen Judzikowski und Christian Rohde

Anmoderation:
Nur für wenige Waren zahlen wir den wahren Preis. Und schon
gar nicht für den sich als unheimlich billig preisenden Atomstrom.
Denn bei dem fließen viele Kosten erst gar nicht ein – die zahlen
wir Steuerzahler extra. Beispiel Endlager Morsleben: In der DDR
war das Bergwerk für den geheimen Atommüll eine
Verschlusssache im doppelten Sinne, nach der Wende wurde es
zum Ort der strahlenden Vereinigung. Die damalige
Umweltministerin Merkel persönlich entschied – gegen große
Bedenken, dass dort auch noch Atommüll aus dem Westen
versenkt werden dürfe. Später stürzte ein riesiger Salzblock ein –
und jetzt muss die Anlage aufwändig gesichert werden. Kosten
rund zwei Milliarden Euro. Und das zahlen – Sie und ich. Steffen
Judzikowski und Christian Rohde berichten.

Text:
Einfahrt in das Atommüll-Endlager Morsleben. In knapp 300
Meter Tiefe lagert hier, was bei der Stromerzeugung aus
Kernkraft anfällt: Radioaktiver Abfall.
Rund 40.000 Kubikmeter schwach- und mittelstark strahlender
Müll wurden im ehemaligen Salzbergwerk eingelagert. Von
Anfang an galt das Endlager als Sicherheitsrisiko. Der Grund:
Das Bergwerk ist instabil und die Salzschichten zu dünn. Es
drohen Stolleneinstürze und Wassereinbrüche.

O-Ton Wolfram König, Präsident Bundesamt für
Strahlenschutz:
Im schlimmsten Fall kann unkontrolliert Lauge eindringen,
Wasser eindringen. Dieses würde an die Abfälle
herankommen; es würden sich Radionuklide lösen können
und diese Radionuklide könnten dann über einen gewissen
Zeitraum wieder an die Erdoberfläche kommen und damit
zum Beispiel das Grundwasser kontaminieren.

Rückblick. Morsleben liegt auf ehemaligem DDR-Gebiet an der
alten Zonengrenze bei Helmstedt. Der DDR diente es als
atomares Endlager. Und das, obwohl schon bei der Planung
Sicherheitsrisiken bekannt waren.

Bereits 1969 warnen Leipziger Grubenexperten vor der:

Zitat
„… Gefahr eines Ersaufens der Grubenräume infolge eines
Laugendurchbruchs.“

Trotzdem – ab 1971 werden in Morsleben Abfälle aus dem
Volkseigenen Kernkraftwerk Greifswald abgekippt.
Dann kommt die Wende. Die westdeutsche Atomindustrie sucht
händeringend nach einem Endlager. Gegen Gorleben und
Schacht Konrad gibt es Widerstand. So kommt Morsleben
gerade recht.

O-Ton Wolfram König, Präsident Bundesamt für
Strahlenschutz:
Dieses Endlager ist der Bundesrepublik zugefallen. Es ist
das einzig genehmigte Endlager gewesen, was in der
Bundesrepublik existierte. Und die Entsorgungskosten
waren wesentlich geringer als die Kosten, die für die
Entsorgung in Konrad geplant waren.

Politik und Atomindustrie beriefen sich ausgerechnet auf diese
Genehmigung der DDR von 1986. Sie genügte der
Bundesregierung, um im Stollensystem von Morsleben ein
Endlager zu erlauben. Dabei hatte selbst die DDR Atomaufsicht
noch in Wendetagen erneut gewarnt:

Zitat
„Fehlende Aussagen zur Zuverlässigkeit … sowie die
unzureichende Auswertung von Störfällen, stellen … die …

Sicherheit … des Endlagers … in Zweifel.“

O-Ton Peter Dickel, Morsleben Netzwerk:
Im Grunde ist hier das DDR Regime fortgesetzt worden in
jedweder Weise. Man hat darauf gebaut, dass es keine
Diskussionen gibt, keine öffentliche Auseinandersetzung,
keine Sicherheitsfragen thematisiert werden, dass man nicht
mal eine ordentliche atomrechtliche Genehmigung braucht,
das hat man schlicht und ergreifend fortgesetzt.

Schon bald nach der Wende beginnen die ersten Transporte.
Politisch verantwortlich damals: die Physikerin und
Umweltministerin Angela Merkel – sie gab der Einlagerung ihren
Segen.

O-Ton Angela Merkel, CDU, 1996 als
Bundesumweltministerin:
Ich halte Morsleben in dem Maße, wie wir es heute nutzen,
für sicher.

Der radioaktive Abfall wird immer häufiger im sogenannten Versturzverfahren abgekippt. Die Müllfässer fallen dabei bis zu 15
Meter tief in die Salzkammern. Dass sie dabei zerbersten, nimmt
man in Kauf. Als lokale Aufsichtsbehörden das unterbinden
wollen, erteilt Angela Merkel für das Endlager Morsleben die
Weisung:

Zitat:
„… den Versturz … von Abfallfässern … in dem Endlager für
schwach- und mittelradioaktive Abfälle nicht weiter zu
blockieren.“

Und so landet immer mehr westdeutscher Atommüll in Morsleben
Damals applaudiert die Atomlobby der Umweltministerin für ihren
Einsatz.
Heute setzt sie sich als Kanzlerin weiter für die Atomenergie ein.
Fragen zum ungelösten Endlager-Problem wiegelt sie ab, erklärt
Morsleben vornehmlich zu einer DDR-Altlast.

O-Ton Angela Merkel, CDU Bundeskanzlerin:
Da muss man jetzt auch noch mal die geschichtlichen Dinge
sich anschauen. Das ist ja nicht alles von der westdeutschen
Energiewirtschaft verursacht. Insofern muss man sich da
Morsleben noch mal anders ankucken.

Wir haben uns genau angeguckt, woher der Atommüll in Morsleben wirklich kam.

Zu DDR Zeiten wurden rund 14.400 Kubikmeter strahlende
Abfälle eingelagert. Nach der Wende zwischen `94 und `98
kamen weit mehr dazu – über 22.000 Kubikmeter.

Frontal21 liegen die internen Transportmeldungen aus diesen
Jahren vor. Sie belegen: Der Großteil der radioaktiven Abfälle
stammt aus dem Westen. Darunter:

KKW Phillipsburg
KKW Obrigheim
KKW ISAR I
KKW Unterweser
KKW Biblis
KKW Würgassen
KKW Grundremmigen

Also Müll aus den großen westdeutschen Atomkraftkraftwerken.

O-Ton Peter Dickel, Morsleben Netzwerk:
Faktisch ist es so gewesen, dass in den 90er Jahren die
Atomkraftwerke voll standen mit Betriebsabfällen, die von
der Bildfläche verschwinden sollten. Es war nicht in Sicht ein
Endlager, was im Westen genehmigt werden könnte, und da
waren die Kraftwerksbetreiber heil froh, den Müll hier los zu werden, für wenig Geld.

Für Tausende Kubikmeter Atommüll zahlte westdeutsche
Atomwirtschaft nicht mal 100 Millionen Euro. Ein
Schnäppchenpreis. Denn ab 1998 werden die
Sicherheitsbedenken endlich ernst genommen, Morsleben wird
dichtgemacht, das Endlager zum Sanierungsfall.

O-Ton Wolfram König, Präsident Bundesamt für
Strahlenschutz:
Wir rechnen damit, dass wir für den Gesamtverschluss
mindestens 2,2 Milliarden Euro aufbringen müssen. Das
heißt, dass dieser Beitrag der damals geleistet worden ist, ist
sehr gering und das Gros der Kosten wird der Steuerzahler
übernehmen müssen.

Dieser Mann sorgte mit dafür, dass Morsleben der Atomwirtschaft
geöffnet wurde. Unter CDU-Kanzler Kohl war Walter Hohlefelder
Abteilungsleiter Endlagersicherheit – bis 1994. Heute ist er
Cheflobbyist der deutschen Atomwirtschaft. Was sagt er zu dem
Vorwurf, dass sich die Energiekonzerne auf Kosten der
Steuerzahler ihres Mülls entledigen? Schriftlich antwortet
Hohlefelder:

Zitat
„… der Preis war angemessen….Der Vorwurf, die
Kernenergiewirtschaft habe sich auf Kosten der Steuerzahler
preiswert ihres Abfalls entledigt, ist daher zurückzuweisen.“

Das sehen Experten, selbst in der atomkraftfreundlichen Union,
ganz anders. Josef Göppel ist der Umweltobmann von CDU und
CSU im Bundestag. Er warnt: die wahren Kosten der
Atomenergie wurden und werden verschleiert.

O-Ton Josef Göppel, CSU, Umweltobmann CDU/CSU
Bundestagsfraktion:
Es gibt bei der Kernenergie versteckte Kosten. Wenn ich
beispielsweise an das Endlager für schwach- und
mittelaktive Stoffe in Morsleben denke, dann haben wir für
die Sanierung die 25-fachen Kosten für den Steuerzahler
aufzubringen, wie die Konzerne an Gebühren ursprünglich
dafür eingezahlt haben. Und das ist doch etwas, was in den
bisherigen Debatten verschwiegen wurde.

O-Ton Peter Dickel, Morsleben Netzwerk:
Es ist natürlich auch wieder ein Skandal. Letztlich ist es halt
wieder so, dass die Kosten der Atomenergie sozialisiert werden
und die Gewinne privatisiert.

Milliarden verschwiegener Kosten, ungelöste Probleme bei der
Endlagerung. Der Atomkurs der Kanzlerin stößt in den eigenen
Reihen auf herbe Kritik.

O-Ton Josef Göppel, CSU, Umweltobmann der CDU/CSU
Bundestagsfraktion:
Ich halte es politisch und ethisch nicht für verantwortbar,
über lange Zeiträume eine Energieform zu nutzen, von der
man nicht weiß, wie am Schluss der Kreislauf wieder
geschlossen werden kann.

Das Atommüllendlager Morsleben – nur ein Beispiel für die
sozialisierten Kosten der Atomwirtschaft. Milliarden versenkt zur
Gefahrenabwehr – auf Kosten des Steuerzahlers.

Abmoderation:
Schon für die Regierung von Helmut Kohl wurde der wahre Preis
des Atomstroms mit circa vier D-Mark berechnet. Das ist fast das
Dreifache des heute teuersten solaren Ökostroms.

zitat ende/ quelle

-schnitt

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